Kapitel 1:
Beim Namen
gerufen - zum Priester berufen
(1751-1785)

Schon von früher Kindheit an verspürte Hofbauer den leidenschaftlichen Wunsch, Priester zu werden. Ein halbes Leben lang musste er um die Verwirklichung seiner klar erkannten Berufung ringen. Nach einem langen Weg mit den verschiedensten Stationen hat er erst als 34jähriger dieses Ziel erreicht. „Nur Mut – Gott lenkt alles"!


1.1. Die Familie „Gleichsam das erste Seminar" (1751-1767)

Die Mutter führt nach dem Tod des Vaters den 6jährigen Johannes zum Kreuz

Tasswitz ist ein kleines Bauerndorf in Südmähren, etwa 100 km nördlich von Wien. Bis zur Vertreibung der Sudetendeutschen im Zweiten Weltkrieg waren seine ca. 1500 Einwohner fast durchwegs deutschsprachig. Um 1730 kam ein Metzgergeselle von Mährisch Budwitz nach Tasswitz. Der junge Einwanderer hieß Peter Paul Dvorak. 1736 heiratete er die 20jährige Maria Steer. Vor der Hochzeit ließ Peter seinen slawischen Namen Dvorak in das gleichbedeutende deutsche Wort Hofbauer umwandeln. Mit einer erstaunlichen Regelmäßigkeit kam ein Kind nach dem andren. In 18 Jahren gebar Frau Hofbauer-Steer sechs Buben und sechs Mädchen. Das neunte Kind (es ist unser Heiliger) wurde am 26. Dezember 1751 geboren und am gleichen Tag auf den Namen Johannes getauft. Später wird er als Einsiedler in Tivoli den Namen Klemens bekommen. In dieser Schrift nennen wir ihn fortan einfach „Klemens".

Das zweite Vatikanische Konzil traut der christlichen Familie sehr viel zu, wenn es sagt: sie sei die häusliche Kirche, die Kirche im Kleinen; sie leiste den wichtigsten Beitrag zur Förderung von geistlichen Berufen; die Eltern seien ihren Kindern die ersten Katecheten und Glaubensboten; Familien, in denen der Glaube wirklich gelebt wird, seien „gleichsam das erste Seminar".

Die Mutter führt nach dem Tod des Vaters den 6jährigen Johannes zum Kreuz

In der Familie Hofbauer-Steer wurde der christliche Glaube intensiv gelebt und gepflegt. Besonders seine Mutter Maria hat in äußerst schweren Zeiten Kraft bei Gott geholt. Der „Siebenjährige Krieg" brachte große Not ins Land. Und dann – am 26. Juli 1758 starb ihr Gatte kaum 46jährig. Er hinterließ eine Witwe, die ihr 12. Kind erwartete. Klemens hat den Todestag seines Vaters nie mehr vergessen. Besonders eine Begebenheit blieb ihm unauslöschlich im Gedächtnis haften. Die Mutter führte den 6jährigen Sohn unter ein Kruzifix. Mit dem Finger nach oben zeigend sagte sie: „Mein Kind, von jetzt an ist der da oben dein Vater. Gib acht, dass du auf dem Weg wandelst, der ihm wohl gefällt."

Über die ersten 16 Lebensjahre von Klemens wissen wir: dass er oft bei den Feldarbeiten geholfen hat; dass er ein eifriger Messdiener war; dass er im Pfarrhaus von Tasswitz Lateinunterricht genommen hat, um sich so auf das Priestertum vorzubereiten.

Wir dürfen annehmen, dass ihn die Einflüsse und Erlebnisse seiner Kindheit fürs ganze Leben geprägt haben. Der Bauernsohn behielt zeitlebens Sinn für das Praktische. Seine Mutter hatte ihm durch ihr Beispiel ein unerschütterliches Gottvertrauen mit auf den Lebensweg gegeben.

Der "Bäckerjunge von Znaim"

1.2. Bäckerlehrling (1767-1770)  
und Werkstudent
(1770-1774)

Klemens war nun 16jährig. Sieben seiner Geschwister waren schon gestorben; drei Brüder lebten in der Fremde; seine Schwester Barbara war verheiratet. So blieb er allein mit seiner Mutter Maria. Sie wusste wohl, dass ihr Sohn gern studieren möchte, um Priester zu werden. Aber es fehlte einfach das Geld. So besorgte sie ihm im nahe gelegenen Städtchen Znaim eine Lehrstelle. 1767 verließ der 16jährige Tasswitz und begann bei Bäckermeister Franz Dobsch die dreijährige Bäckerlehre. Dem jungen Lehrling ging es in Znaim gut. In der Familie seines Lehrmeisters fühlte er sich wirklich daheim. Oft war dort Bruder Lustig zu Gast. Es wurde viel gelacht und gesungen. Unser Bäckerjunge hat sich vermutlich in Znaim die Freude am Gesang und den Sinn für Musik angeeignet.

Klosterbruck heute

Gegen Ende seiner dreijährigen Bäckerlehre verließ Klemens das Städtchen Znaim. Im 600 Jahre alten Prämonstratenserstift Klosterbruck hatte er Arbeit gefunden. Sicher waren ihm einige der Herren Patres bereits bekannt, denn die Pfarrei Tasswitz wurde damals von Klosterbruck aus seelsorglich betreut. Zudem hatte ja der Messdiener Klemens bei ihnen Lateinunterricht genommen. Wir dürfen annehmen, dass der junge Hofbauer die leise Hoffnung hatte, einerseits bei den Prämonstratensern zu arbeiten, und anderseits dort wenigstens teilweise die Klosterschule besuchen zu dürfen. Und so kam es auch.

Zuerst diente Hofbauer in der Klosterbäckerei. Der Abt des Stiftes war dem Jungen wohl gesinnt. Bald schon ernannte er ihn zu seinem Privatdiener. Auch gab er seinem Schützling eine leichtere Arbeit als Tafeldecker. So konnte Klemens nebenbei während vier Jahren die Klosterschule besuchen. Diese Doppelbeschäftigung als Werkstudent war nicht immer leicht. Später wird er selbst gestehen: „Ich musste alle Augenblicke für die Studien verwenden, sogar die Nächte opferte ich für diesen Zweck auf. Wollte mich der Schlaf überfallen, so nahm ich das Licht in die eine Hand, in die andere das Buch und ging im Zimmer auf und ab, um den Schlaf zu überwinden und so die Zeit zu gewinnen."

Hofbauers Aufenthalt in Klosterbruck war eine gute Vorbereitung auf sein späteres Wirken. Bis ans Ende seiner Tage wird er einen unwahrscheinlich zähen Arbeitswillen an den Tag legen. Im Stift lernte er die praktische Haushaltsarbeit. Später wird er oft seine Kleider selber flicken, für seine Mitbrüder kochen, am Tisch dienen. Auch als Oberer blieb er stets so etwas wie ein Hausknecht, ein „Mädchen für alles". Etwas anderes noch hatte er bei den Prämonstratensern erlebt. Von Zeit zu Zeit durfte er das Amt eines Hilfspförtners übernehmen. In den Jahren 1770/71 herrschte furchtbare Not im Lande: Hunger und Typhus. Die Armen strömten scharenweise nach Klosterbruck. Sie warteten auf ein Stück Brot. Klemens durfte an der Klosterpforte Almosen austeilen. Ja, er musste mit ansehen, wie mancher vor Elend tot umfiel. Solche Erlebnisse haben den feinfühlenden Studenten fürs ganze Leben geprägt. Die Liebe zu den Armen wird ihn während seines ganzen Ordenslebens auszeichnen.


Klemens als Einsiedler
Glasfenster der Klemenskirche Tasswitz

1.3. Einsiedler: In der Schule der Einsamkeit (1774-1783)

Inzwischen war Hofbauer 23jährig geworden. Weil in der Schule von Klosterbruck nur die vier untern Klassen geführt wurden, konnte er dort nicht mehr weiter studieren. Er hatte kein Geld, um in einem anderen Gymnasium die Studien fortzusetzen. Erneut schienen ihm alle Türen zum Priestertum versperrt zu sein. Darum beschloss er, den jetzt einzig gangbaren Weg zu beschreiten: „Er folgte seinem inneren Drang nach einem gottgeweihten Leben. Klemens entschloss sich, Einsiedler zu werden, um in der Einsamkeit ganz mit Gott verbunden zu leben und ihm so zu dienen." Wenn schon nicht Priester; so dann wenigstens Einsiedler!

Einsiedler, Eremit, Waldbruder? Darunter stellt man sich heute vielfach schrullige Menschen vor, die weltscheu dem Alltag entfliehen wollen; arbeitsscheue Naturfreunde, die sich vom Bettel ernähren. Nun, ein solches Leben hätte bestimmt nicht Hofbauers Art entsprochen. Im 18. Jahrhundert war das Eremitenleben mancherorts eine kirchlich anerkannte Lebensform. Wer Einsiedler wurde, trat damit in einen kirchlicher Stand, der manche Ähnlichkeit mit dem Ordensstand hatte. Der Bewerber wurde erst nach einer Prüfung vom Bischof in die Gemeinschaft der Einsiedler aufgenommen. Er erhielt das Eremitenkleid und oft auch einen neuen Namen. So hat Johannes Hofbauer in Tivoli seinen neuen Namen Klemens bekommen, den er bis an sein Lebensende behalten wird.

Der Einsiedler galt als Mann der Stille und des Gebetes. In dieser Schule der Verinnerlichung waren ihm nur vier Bücher gestattet: das Evangelium, der Katechismus, die Nachfolge Christi und die Eremitenregel. Auch musste der Einsiedler im Geist des Evangeliums arm leben. In der Klause durfte nichts Überflüssiges stehen: Tisch und Stuhl, Strohsack und Wolldecke – mehr brauchte es nicht. Mit dem Eremitenberuf war meist ein kirchlicher Dienst verbunden (Kranke besuchen, Arme betreuen, Religionsunterricht erteilen, besonders das Sakristanenamt ausüben). Darum befanden sich die Einsiedeleien meist in der Nähe einer Wallfahrtskirche.

Einsiedler in Mühlfrauen. Mühlfrauen war ein Nachbardorf von Tasswitz. Die dortige Wallfahrtskirche „Zum gegeißelten Heiland" war weit und breit bekannt. Auf der andern Talseite des Flusses Thaya liegt der Pölzerwald. Da besaß Klemens ein Grundstück, das durch Erbschaft zur Hälfte ihm gehörte. Dort baute sich Klemens eine Klause. Sein Bruder Hermann half ihm dabei. Bald war der Einsiedler von Mühlfrauen in der ganzen Gegend bekannt. Der Waldbruder pflegte ein schweres Holzkreuz von der Zelle im Pölzerwald bis zum Heiligtum von Mühlfrauen zu tragen. Daher gaben ihm die Leute den Namen „Kreuzträger, Kreuzschlepper". Die Wallfahrer brachten ihm Lebensmittel. Er seinerseits hielt ihnen religiöse Vorträge. Als dann die Regierung Österreichs das Eremitenleben verbot, verließ Hofbauer seine Einsiedelei in Mühlfrauen und ging nach Wien, um dort vorübergehend in der „Eisernen Birne" bei Bäckermeister Weyrig zu arbeiten.

Tivoli bei Rom
Gemälde, Maria am Gestade

Einsiedler in Tivoli bei Rom. Nach einem kurzen Aufenthalt in Wien fassten Klemens und sein Kollege Peter Kunzmann den Entschluss, nach Rom zu reisen und im Kirchenstaate Einsiedler zu werden. In der Nähe von Tivoli (eine Kleinstadt etwa 30 km von Rom entfernt) war ein Kirchlein mit einem altehrwürdigen Gnadenbild. Es trug den Namen „Madonna von Quintiliolo". In der angrenzenden Einsiedelei wohnten gewöhnlich zwei Eremiten. Ihnen oblag es, das Heiligtum zu betreuen. Hofbauer und Kunzmann stellten sich dem Bischof von Tivoli vor und baten um Aufnahme in die Gemeinschaft der Eremiten. Klemens blieb nur etwa ein halbes Jahr in Tivoli, denn „es erwachte in ihm der Wunsch, seine Studien fortzusetzen; er fühlte in sich unaufhörlich den Drang, Priester zu werden."

Die Eremitenzeit war für Hofbauer bestimmt eine Art Vor-Noviziat. Im nachhinein können wir es beurteilen: Dieser dynamische, impulsive Mann der Tat hat sich in der Einsamkeit durch Verinnerlichung auf sein aktives Apostolat vorbereitet. Nur so ist er ein „Mystiker der Tat" geworden. Ein Vertrauter Hofbauers muss es wissen: „Hofbauer führte in Wien ein sehr tätiges Leben. Er hatte nur ein einziges Zimmer, das allen offenstand. Da schuf er sich in seinem eigenen Herzen eine Einöde, eine Zelle, ein kleines Oratorium. In diese Herzenseinsamkeit zog er sich nach Belieben, zu jeder Zeit, wo immer er sich befinden mochte, zurück. Auch wenn er durch die volksreichsten Straßen (Wiens) wandelte, versenkte er sich so in sich selbst" (P. Bartholomäus Pajalich).


1.4. Wenn Gott und gute Menschen die Weichen stellen (1783-1784)

Klemens hatte also Tivoli verlassen. Wie ein enger Vertrauter unseres Heiligen schreibt, „begab er sich nach Wien zur Verwirklichung seines höheren Antriebes, für den geistlichen Beruf seine Studien fortzusetzen."

Im Stephansdom ministrierte Klemens regelmäßig

Drei Wohltäterinnen. Hofbauer war jetzt 32jährig. Wieder in der Kaiserstadt. Mit einem großen Wunsch im Herzen, aber ohne Geld in der Tasche. Da geschah ein erstes Wunder der Vorsehung. Als Klemens nach dem Gottesdienst den Stephansdom verließ, regnete es draußen in Strömen. Unter dem Kirchenportal warteten drei Frauen das Ende des Gewitters ab. Hilfsbereit fragte Klemens die Damen, ob er ihnen einen Fiaker besorgen solle. Die drei Schwestern, es waren die Töchter eines reichen Hofbeamten namens Maul, nahmen das Angebot dankbar an. Sie luden ihn ein, bis zu seinem Absteigequartier mitzufahren. Im Gespräch verriet ihnen Klemens, er habe schon immer den Wunsch gehabt, Priester zu werden. Der Mangel an Geld habe ihm aber bis anhin die Verwirklichung dieses Traumes verunmöglicht. Die drei Schwestern sicherten Hofbauer ihre Hilfe zu. Und sie hielten Wort.

Der Student mit der katholischen Nase. So konnte also Hofbauer im Frühherbst 1783 an der Wiener Universität seine Studien beginnen. Manche Professoren waren staatshörige Aufklärer. Eines Tages vertrat einer der Lehrer recht unkirchliche Auffassungen. Hofbauer rief noch während des Vortrages: „Herr Professor, was Sie da sagen, ist nicht mehr katholisch." Der erboste Student stand auf und verließ den Hörsaal. Dieser Auftritt hatte ein Nachspiel. Jahrzehnte später begegneten sich die beiden. Der greise Professor kam auf Pater Hofbauer zu und dankte ihm, denn so gestand er, die Szene an der Uni sei für ihn damals zwar beschämend, aber heilsam gewesen.

Begegnungen fürs Leben. Während seiner Studien in Wien schloss Klemens Freundschaft mit einem Mitstudenten namens Thaddäus Hübl. Es sollte eine Freundschaft werden fürs ganze Leben. Sodann lernte er P. Nikolaus Josef Albert von Diessbach (1732-1798) kennen. Dieser Exjesuit aus der Schweiz wurde für Hofbauer zu einer Art Vaterfigur. Später wird Klemens selber gestehen: „Ich habe ihn sehr gut gekannt und ich war mit ihm durch ein inniges Band der Freundschaft verbunden, obwohl er viel älter war als ich." Im Jahre 1778 hatte Diessbach in Turin eine Reformgruppe mit dem Namen „Amicizia Christiana" (= A.C.) gegründet. Wahrscheinlich bestand in Wien bereits 1782 ebenfalls ein solcher Kreis namens „Christliche Freundschaft". Klemens Hofbauer und sein Mitstudent Thaddäus Hübl gehörten wohl auch dieser A.C. an. Dort lernten sie Menschen kennen, die später Hofbauers größte Gönner und Helfer sein werden: Freiherr Josef von Penkler (1751-1830), Josef von Beroldingen (1738-1816) und andere.

Klemens kehrt Wien den Rücken

Hofbauer fühlte sich an der Uni Wien nicht sehr wohl. Die Dinge überstürzten sich, als Kaiser Joseph II. für ganz Österreich eine Studienreform im Geiste der Aufklärung verordnete. Das Studium der Theologie an den sogenannten Generalseminarien wurde obligatorisch. Das mag wohl mit ein Grund gewesen sein, warum Hofbauer und sein Freund Hübl sich entschlossen, Wien zu verlassen, um in Italien die Theologiestudien zu beenden. Wir dürfen mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit annehmen, dass gerade Diessbach unserm Klemens Hofbauer und seinem Freund Thaddäus Hübl angeraten hat, nach Italien zu den Redemptoristen zu gehen. Der Exjesuit hatte Alfons von Liguori, den Ordensstifter der Redemptoristen, persönlich gekannt. Klemens schrieb an seinen Ordensgeneral P. Pietro Blasucci: „Er (Diessbach) war ein äußerst gelehrter und hervorragend heiliger Mann. Er hatte unsern verehrungswürdigen Vater (Alfons) bestens gekannt, und er war ein ganz großer Verehrer von ihm."


1.5. Der erste nichtitalienische Redemptorist (1784-1785)

Im Sommer 1784 pilgerten also Hofbauer und Hübl nach Rom. Eines Morgens läuteten die zwei Freunde an der Klosterpforte von San Giuliano (ganz in der Nähe von Maria Maggiore), wo die Redemptoristen ihre Niederlassung hatten. Der 60jährige Obere, P. Giuseppe Landi, empfing die beiden aus dem Norden. Die zwei Studenten wollten nähere Auskunft haben über die Ordensgemeinschaft der Redemptoristen (Erlösermissionare). Nach diesem Gespräch bat Hofbauer unverzüglich um Aufnahme in die Ordensgemeinschaft, die Alfons von Liguori 50 Jahre zuvor gegründet hatte. Hübl hingegen war nicht zufrieden. Es fielen bittere Worte. Für ihn kam alles zu überraschend, zu überstürzt. Er wünschte sich Bedenkzeit. Klemens verbrachte die ganze Nacht im Gebet. Und am andern Morgen war es so weit. Auch Hübl entschloss sich, bei den Redemptoristen um Aufnahme zu bitten.

Rom
Gemälde, Maria am Gestade

Ordensmann und Priester. Schon am 24. Oktober 1784 erhielten die zwei das Ordenskleid. Damit begann für sie das Noviziat. Hofbauer war glücklich. Nur der Hunger setzte ihm zu. Später hat er gestanden, als Novize habe er manchmal vor Hunger nicht schlafen können. Nach dem Beginn der Probezeit ging alles sehr schnell. Für uns heute fast unbegreiflich. Bereits am 19. März 1785 (nach einem nur fünfmonatigen Noviziat) legte Klemens Hofbauer als erster nichtitalienischer Redemptorist zusammen mit Thaddäus Hübl die Ordensgelübde ab. P. General Francesco de Paola nahm im Kloster von Rom ihre Profess entgegen. Unmittelbar danach wurden die beiden in das Studienhaus der Redemptoristen nach Frosinone im Süden des päpstlichen Kirchenstaates geschickt. Und bereits zehn Tage später, also am 29. März 1785, wurden sie zu Priestern geweiht. Endlich am Ziel! Nach einem fast 30jährigen Hindernislauf im Zickzack – endlich Priester!

Der lange Weg im Rückspiegel betrachtet. Als Hofbauer die Priesterweihe empfing, war er 34jährig. Er hatte nun fast genau die Hälfte seines Lebens gelebt. Wenn wir diesen Lebensabschnitt unseres Heiligen im Rückspiegel betrachten, so müssen wir jenen Freunden Hofbauers recht geben, die sein Leben als „ein Dorngestrüpp" und als „ein Wunder" bezeichneten. Es erscheint uns tatsächlich wie ein seltsames Geflecht von menschlichem Zickzack oder Wirrwarr und von göttlichen Fügungen. Seine harte Lebensschule mit den verschiedensten Einsätzen und Erfahrungen war so etwas wie ein 34jähriges Noviziat. Wir sehen Klemens zuerst als Bauernsohn auf dem Felde arbeiten, als Lehrling im Backtrog den Teig kneten; dann wieder ist er Kammerdiener, Werkstudent, Einsiedler, Bäcker, Pilger, Universitätsstudent und schließlich wird er Redemptorist. „Nur Mut, Gott lenkt alles."

  1. Teil: Beim Namen gerufen, zum Priester berufen (1751-1785)
  2. Teil: St. Benno in Warschau (1787-1808
  3. Teil: Hofbauer der "Zweite Gründer der Redemptoristen"
  4. Teil: Der Apostel und Patron von Wien (1808-1820)
  5. Teil: Der Triumph eines Toten (1820)
  6. Teil: Gespräch mit einem Toten, der lebt